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Bährs Kirche

KircheAus welcher Richtung man sich Kesselsdorf auch nähert, stets dominiert die Kirche St.Katharinen mit ihrer barocken Turmhaube das Panorama des Ortes. Sein heutiges Bild verdankt der mittelalterliche Bau dem Dresdner Ratszimmermeister George Bähr, dem Schöpfer der weltberühmten Frauenkirche. Scherzbolde meinen, er habe in Kesselsdorf geübt, ehe er sich an den Bau des Dresdner Gotteshauses wagte. Ein profunder Kenner der Kesselsdorfer Kirchengeschichte und der bemerkenswerten künstlerischen Ausstattung der St.-Katharinen-Kirche ist Pfarrer i.R. Wolfgang Baetz, der von 1992 bis 1999 der Kirchgemeinde vorstand. Der folgende Text stammt aus seiner Feder.

 

 

Die Kirche St. Katharinen

Wer die Landeshauptstadt Dresden in Richtung Freiberg verlässt, erblickt, nachdem er die Höhe am Rande des Elbtals erreicht hat, einen Kirchturm. Er überragt die Hochebene. ImageEs ist die St. Katharinen-Kirche von Kesselsdorf. Durch diesen Ort mit seinem kesselartigen Einschnitt führte die Straße schon in historischer Zeit. Die kleinere mittelalterliche, schon steinerne Kirche von Kesselsdorf hatte vermutlich nur einen turmartigen Dachreiter auf dem Satteldach des Kirchenschiffes.Sie war der Heiligen Katharina, die zu den 14 Nothelfern gehört, und anderen Heiligen geweiht worden. Namenspatronin Katharina von Alexandria, aus edlem Geschlecht und ausgezeichnet durch Schönheit und hohe Bildung, war am 25. November 307 als Märtyrerin gerädert und enthauptet worden. Ihre Darstellung, das Werk eines unbekannten Künstlers des Mittelalters für einen der ehemaligen Flügelaltäre, wurde 1996 wieder aufgestellt und lädt - trotz aller Blessuren und ohne das Rad als das ihr eigene Märtyrerzeichen - wieder ein zum Nachdenken und zur Dankbarkeit vor Gott.
Aus einem Kirchweihbericht des Pfarrers Gregorius Fritzsche von 1513 erfahren wir von der Weihe eines „Altars zur Linken des Hochaltars“, der zu Ehren der Passion des Herrn, der Heiligen Anna, des Bischofs Martin und anderer errichtet wurde. Von einem Kloster in der Nachbarschaft der Kirche wird gesprochen, was aber nicht belegbar ist. Sicher dagegen ist, dass die Kirche unter Pfarrer Lorenz Jössel (1557 - 1577 in Kesselsdorf) „musste nottgedrungen fast der mehrere Teil von Grund auf neu gebaut werden“. Dieser nahezu Neubau der Kirche erfolgte 1562. Auch aus der Einkaufssumme der Gemeinde Kaufbach (bis 1558 zur Kirchgemeinde Wilsdruff gehörend) wurden 100 Gulden zum Bau verwendet.KircheOffensichtlich war dieses Kirchengebäude, an das die spätgotische innere Westpforte mit Profilierung der Gewände und Stabüberschneidung als heutiger Zugang zum Innenraum der Kirche erinnert, nach etwa 160 Jahren baufällig geworden.Außerdem war der Kirchenraum für die inzwischen angewachsene Gemeinde mit ihren dazugehörenden DörfernWurgwitz, Kohlsdorf, Hammer, Niederhermsdorf, Oberhermsdorf, Kleinopitz, Braunsdorf und Kaufbach (Zöllmen wurde erst am 1.4.1897 zu Kesseldorf eingepfarrt) zu klein geworden.KircheDeshalb machte sich unter Pfarrer Magister Gottlieb Friedrich Peck (sein Grabstein und der seiner Frau sind in der Vorhalle der Kirche aufgestellt) ein Erweiterungsbau notwendig. Mit dem Umbau begann am 14. September 1723 Maurermeister Elias Richter aus Hintergersdorf. Für die äußere und innere Neugestaltung des Kirchengebäudes schloß die Kirchgemeinde am 15. November 1724 einen Kontrakt mit dem Ratszimmermeister George Bähr in Dresden. Das Gebäude wurde unter seiner Leitung „erweitert, erhöhet, renovieret“ (1723-1725). Die Gedanken einer südlichen und nördlichen Gebäudeerweiterung für eine zentralere Gestaltung wurden aufgrund einer „Erwiderung“ (responsio) - möglicherweise aus der Feder von Pfarrer Peck -, die Längsachsen- vergrößerung verlangte und Dachgauben- konstruktion vermeiden wollte, verworfen.ImageAls genial ist die Lösung zu bezeichnen, sowohl die alte Giebelmauer als auch die Sakristei im Osten abzubrechen und das Gebäude als Teil eines Achtecks zu erweitern (heutiger Altarraum). 1724 wurde der Bau gehoben und von Frühjahr bis Herbst 1725 der markante Turm mit seinem Balkenwerk auf der Erweiterung errichtet und das Gebäude im Inneren ausgebaut. Zwei Emporen, die durchgehenden Bänke des Kirchenschiffs und die ansteigenden Seitenreihen bringen die Gemeinschaft der Gläubigen um den Ort, da Kirche geschieht, zum Ausdruck: der Taufstein in der Mitte des Chorraumes, der Altar als Tisch des Herrn, darüber die Kanzel als Ort der Verkündigung des Wortes Gottes und der krönende Abschluß mit Sängerchor und Orgel (bis 1878) als Lobpreis der Gemeinde.Im September 1725 konnte die Gemeinde in ihrer erneuerten Kirche wieder Gottesdienst feiern. Dies zeigt eine in lateinischer Sprache verfasste Urkunde, die sich 1822 im Turmknopf fand,Kreuz mit folgendem Wortlaut: „Unter dem gnädigen Beistande des Höchsten und nach Genehmigung des großmächtigen Friedrich August, König von Polen und Kurfürsten zu Sachsen ist dieses Gotteshaus erweitert, erhöht und renoviert worden.Die damaligen Kircheninspektoren waren: Dr. Valentin Ernst Löscher, Pastor und Superintendent zu Dresden, und Andreas Ernst, Prokuraturamtmann zu Meißen. Im Monat September 1725 ward die letzte Hand ans Werk gelegt. Kirchväter waren: Nikolaus Lotze aus Kaufbach, Michael Wend aus Niederhermsdorf , George und Jakob Pietzsch aus Kesselsdorf. Bauvorsteher war Christoph Büttner, Gastwirt zu Kesselsdorf. Der Turmknopf ist auf Kosten und durch die Freigiebigkeit Paul Henckers von Kesselsdorf vergoldet worden. Dies Gotteshaus wollest du, o Jesu Christe, behüten vor Stürmen, Flammen, Blitzen und Wogen! Pest, Krieg und Hunger wollest du fernhalten von unseren Grenzen, und was sonst deiner Herde schaden könnte! Bleibe bei uns, bis es will Abend werden, dass hier immer dein reines Wort erschalle. So flehet M. Gottlieb Friedrich Peck, Pastor zu Kesselsdorf, 44 Jahre alt und 15 Jahre im Amte, sowie Christian Gottfried Opitz, Kirchner und Kirchschullehrer.“ Seither sind fast drei Jahrhunderte ins Land gegangen, in denen das barocke Kirchengebäude bewahrt blieb. Auch die Schlacht bei Kesselsdorf am 15. Dezember 1745 und spätere kriegerische Auseinandersetzungen, von denen Kesselsdorf niemals verschont blieb, ließen die Kirche unbeschädigt. 1878 erhielt St. Katharinen eine neue Orgel der renommierten Bautzener Firma Eule (s.u.). Eine gründliche Renovierung des Hauses erfolgte 1945/47, eine weitere Außenrenovierung im Jahre 2005. Der Kirchenraum mit schöner Bauernmalerei kann 700 Besucher aufnehmen. Zwei Linden, die das südseitige Tor des alten Friedhofs flankieren, stehen unter Naturschutz.

Eine künstlerisch aufwendige Arbeit stellt der Epitaph für den in der Schlacht bei Kesselsdorf gefallenen und in der Kirche beigesetzten sächsischen Offizier Franz Kaspar von Pirch (ganz rechts) dar. Von künslerischem und historischem Interesse ist ebenfalls der Epitaph für den Obristen Georg Götze (rechts), der nach bewegter militärischer Laufbahn unter wechselnden Dienstherren mehrerer Länder schließlich Festungskommandant in Dresden wurde, danach das Rittergut Kleinopitz kaufte, 1676 starb und in der Kesselsdorfer Kirche beigesetzt wurde. Zu den bemerkenswerten Ausstattungsstücken gehören auch die "Madonna auf der Mondsichel" eine spätgotische Holzstatue vom alten katholischen Altar aus der Zeit um 1530, und der 1726 aufgestellte barocke Taufstein.

   Götze    Pirch
     
 Madonna    Taufstein

Die Eule-Orgel

Die Vorgängerorgel:

OrgelEine erste Orgel wurde 1680 gebaut. Das geht aus Rechnungsbüchern hervor, obwohl die Einzelbelege für den Orgelbau nicht mehr vorhanden sind. Auch wurden von diesem Zeitpunkt an ständig Ausgaben für den Kalkanten (Bälgetreter) geführt. Orgelbauer und Orgelgestalt sind nicht überliefert. Die Beschreibung der Orgel kurz vor ihrem Abriß nennt 18 klingende Stimmen.
In den Kirchenumbau 1723/25 wurde dieses Instrument übernommen. 1726 stellte es der Dresdner Orgelbauer Martini auf der Empore über dem Kanzelaltar auf. Unbekannt ist, ob George Bähr für das Instrument ein zur neuen Innenausstattung passendes Gehäuse entwarf oder das alte, so wie es war, übernommen wurde. Die Abmessungen des Orgelgehäuses sind noch jetzt auf dem Dielenfußboden der alten Orgelempore erkennbar. Hinter der Orgel lief an der Ostwand eine Treppe auf den Kirchenboden.
1839 verlegte der Freiberger Orgelbauer Trepte die Bälge vom Raum hinter der Kanzel auf den Boden. Die Seitenräume neben der Kanzel wurden zu Logen des Wurgwitzer Rittergutsbesitzers ausgebaut und erhielten die heutige Form.
Das Äußere der 1877 abgerissenen Orgel ist nicht bekannt. Einziges Zeugnis ist ein Engel, der später auf dem Kirchenboden gefunden und dem alten Orgelgehäuse zugeordnet wurde und jetzt in der Kirche hängt. 

 

Der Orgelneubau:

1875 kam ein neuer Lehrer, Hermann Matthes, nach Kesselsdorf. Auf ihn wird die Anregung zum Neubau einer Orgel zurückzuführen sein, denn schon 1876 wurde eine neue Orgel laut erörtert. In diesem Jahr wurden Orgelbaufirmen über die Leipziger Zeitung aufgefordert, für einen Orgelneubau in Kesselsdorf Angebote zu senden. In den Bauakten sind Angebote von Schindler (Leipzig), Wiegand (Leipzig), Jahn (Dresden), Schmeißer (Rochlitz), Bärmig (Werdau), Gebrüder Nagel (Großenhain) und Eule (Bautzen) zu finden. Die Entscheidung des Kirchenvorstandes für die Firma Eule ist in mancher Hinsicht interessant. So fiel die Wahl auf die jüngste Firma. Hermann Eule (1846-1929) hatte sein Unternehmen erst 1872 in Bautzen gegründet und war 1876 erst 30 Jahre alt. Es ist aber auch die einzige Firma, die heute, nach 130 Jahren, noch existiert. Eule bot als Einziger ein neues mechanisches System, die Kegelwindlade, an. Klanglich wie technisch gehörte Eule damit zu den Orgelbauern, die moderne und romantische (auch am französischen Geschmack orientierte) Orgeln bauten. Eules Angebot war freilich auch das teuerste - das neuartige System hatte seinen Preis. Kegelladen benötigen mehr Platz als die herkömmlichen Schleifladen. So war klar, dass die Orgel nicht mehr über die Kanzel passte. Zur Aufnahme der Orgel auf der Westseite der ersten Empore musste die zweite Empore an dieser Stelle entfernt werden. Ein neuer Anbau mit seitlichen Treppentürmen nimmt seitdem das Orgelwerk und die drei Kastenbälge auf.
1877 wurde der Neubauvertrag abgeschlossen. Eule garantierte darin zehn Jahre für die Dauerhaftigkeit des Werkes sowie Güte des Materials. Der Vertrag legte aber auch fest, dass bei Unvollkommenheit des Werkes Eule das Instrument zurücknehmen bzw. neu bauen muß. Für die Zukunft wurde ein zweijähriger Pflegerhythmus vereinbart. Die Orgel erhielt auf zwei Manualen und Pedal 19 Register mit insgesamt 1080 Pfeifen aus Metall und Holz. Bei der Orgelabnahme im November 1878 lobte der Dresdner Kreuzorganist Musikdirector Pfretzschner die Qualität des Instrumentes.
Anfang des 20. Jahrhunderts wurde die Orgel etwas leiser intoniert und erhielt eine Aeoline 8’. Dafür wurde das Salicional 8’ auf den Platz der Quinte gestellt, die ganz entfernt wurde. In der Zwischenzeit verschwand auch die Aeoline wieder und an deren Stelle steht provisorisch eine Sifflöte 1’. 1917 mußten, wie von fast allen deutschen Orgeln, die Prospektpfeifen aus Zinn abgeliefert werden. Der Ausbau erfolgte am 20.April 1917 durch Georg Eule (1882-1918, gefallen). Sie wurden 1928 durch Pfeifen aus dem Ersatzmaterial Zink ersetzt.
Die Orgel gilt als wertvoll, weil sie zu den ältesten und am wenigsten veränderten Eule-Orgeln gehört. Im Firmenverzeichnis wird die Kesselsdorfer Orgel als Opus 7 gezählt.

 

Die Glocken

Die älteste Kunde stammt von dem katholischen Pfarrer Gregorius Fritzsche, der 1513 eine Glockenweihe mit drei Glocken erwähnt.GlockenDieses Geläut blieb der Kirche bis 1887 erhalten, dann wurden die Glocken zum Einschmelzen verkauft, denn die Gemeinde hatte sich für ein "schöneres und größeres" Geläut entschieden. Die neuen Glocken brachten zusammen 1909 kg auf die Waage, während die alten nur 1000 kg wogen. 1917 mußte sich die Gemeinde von dem Geläut trennen - das Metall wurde auf den Schlachtfeldern des 1.Weltkrieges gebraucht. Nur die kleine Glocke blieb zurück, sie wurde nach dem Krieg nach Unkersdorf verkauft, die beiden anderen wurden auf dem Turm zerschlagen. Ein kleines Stück der mittleren Glocke mit dem Bild des Lammes mit der Fahne blieb der Kirche erhalten. 1921 fand wiederum eine Glockenweihe statt. Die große Glocke wurde aus Frankenberg gekauft, die kleine aus Wechselburg erworben. Die mittlere wurde von der Firma Bierling in Dresden neu gegossen. 1942 forderte der 2.Weltkrieg wiederum das Glockenmetall, nur die kleine Glocke durfte bleiben. Erst 1951 konnten wieder zwei Glocken geweiht werden. Zur kleinen Wechselburger Glocke (auf Ton a gestimmt) gesellten sich zwei Hartgußglocken (Töne e und g), die im Eisenwerk Morgenröthe/Vogtland gegossen worden waren. Alle zusammen wiegen fast 60 Zentner. 

 

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Letzte Aktualisierung ( Donnerstag, 07 September 2006 )
 
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