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Nach der Schlacht
Wulf Kirsten sieht wiederum vor allem das Kriegselend des kleinen Mannes. Die nüchternen Verlustziffern in zeitgenössischen und späteren Berichten differieren. Dietmar Bode vom Arbeitskreis Sächsische Militärgeschichte e.V. macht in seiner Arbeit "Die Schlacht bei Kesselsdorf" (Dresden 1995) folgende Rechnung des Grauens auf: Die Verluste der Preußen betrugen 5.036 Mann an Toten und Verwundeten, die der Sachsen, einschließlich der Gefangenen, 10.310 Mann. Noch nie hatte die sächsische Armee eine so verheerende Niederlage erlitten. Zu den Ursachen schreibt Bode:

"In einigen Darstellungen findet man die Einschätzung, dass das Vorpreschen der Sachsen aus ihrer Stellung auf Befehl des Generalleutnants von Wilster als einzige Ursache bezeichnet wird. Das wäre jedoch zu oberflächlich und könnte auch nicht das Geschehen im Norden von Kesselsdorf oder bei Zöllmen erklären. Die wahren Ursachen liegen tiefer und zum Teil schon in den Ereignissen weit vor der Schlacht. Da wäre der mehrfache Wechsel in der Führung der sächsischen Armee zwischen dem Herzog von Weißenfels und dem General von Rutowsky zu nennen, wodurch ernste Verfehlungen in der Vorbereitung und Versorgung der Armee entstanden. Die Soldaten hatten mehrere Tage nichts oder kaum etwas zu essen bekommen. Die Munition war knapp. Das Zusammenwirken mit der österreichischen Armee war völlig unzureichend. Die Hauptarmee der Österreicher unter Prinz Karl von Lothringen erschien überhaupt nicht auf dem Schlachtfeld... Die Truppen des Generals von Grünne blieben am Zschoner Grund, zwei bis drei Kilometer vom Kampfgeschehen entfernt, stehen, ohne auch nur einen Schuß abzufeuern. Hinzu kam eine Vielzahl von taktischen Fehlern, vor allem die Ausdehnung der Stellungen auf mehr als sieben Kilometer, die von den preußischen Truppen schnell erkannt und ausgenutzt wurden."Unter den vom Schlachtgeschehen betroffenen Dörfern hatte Kesselsdorf die schwerste Last zu tragen. Zwar fielen nur wenige Häuser dem Feuer durch Beschuß zum Opfer, und die Bevölkerung hatte sich weitgehend vor Beginn der Kämpfe in Sicherheit gebracht. Dafür leistete die preußische Soldateska bei ihren Plünderungen ganze Arbeit. Balken, Türen, Treppen, Zäune aus vielen Häusern brachten die Lagerfeuer zum Lodern und wärmten die durchfrorenen Kriegsleute. Nach der Schlacht fehlte fast alles Viehzeug und Wirtschaftsgerät, auch vor Geschirr, Kleidern und Bettzeug machten die Marodeure nicht halt. Die Kesselsdorfer Bauern, um alles Hab und Gut gebracht, machten im Herbst 1746 die Rechnung auf: Schaden in Höhe von 21.840 Talern - im gesamten Kampf- und Aufmarschgebiet betrug er stattliche 174.378 Taler.

Denkmal
Denkmal in Kesselsdorf zur Erinnerung
Friedrich II. nahm am 16. Dezember in Wilsdruff Quartier und erschien einen Tag später auf dem Schlachtfeld, um am Lärchenbusch dem dort wartenden Fürsten Leopold wohlwollend auf die Schulter zu klopfen. Am 18. Dezember wurden ihm in Dresden, das kampflos kapituliert hatte, feierlich die Stadtschlüssel übergeben. Der Preuße sagte der königlich-sächsischen Familie Schutz zu, aber die Besatzung der Residenz ging in Gefangenschaft, und die Sieger räumten das gut bestückte Zeughaus leer. Die Reste der sächsischen Armee und die Österreicher, zusammen immerhin noch mindestens 30.000 Mann, zogen sich ins Böhmische zurück, ohne von den Preußen weiter behelligt zu werden - beide Seiten waren kampfesmüde und sehnten sich nur noch nach dem Winterquartier.Zwei Wochen später, am ersten Weihnachtsfeiertag des Jahres 1745, war der Friedensvertrag von Dresden unter Dach und Fach. Sachsen mußte dem Sieger eine Million Taler Kriegsentschädigung zahlen, für die damalige Zeit eine erkleckliche Summe. Maria Theresia verzichtete auf den größten Teil Schlesiens, d.h. Preußen bekam den Besitz des Herzogtums Schlesien schriftlich bestätigt, Friedrich verbürgte seinerseits Maria den Besitz ihrer deutschen Lande und erkannte die am 13.September vollzogene Wahl ihres Gemahls Franz Stephan von Lothringen zum deutschen Kaiser (Franz I.) an. Der Zweite Schlesische Krieg war damit beendet, die siegreiche preußische Armee verließ Dresden in Richtung Heimat.
Am 12. Januar 1746 ging in Berlin die Siegesfeier über die Bühne, wobei keine Kosten gescheut wurden, wie die Haude-Spenersche Zeitung Nr. 6/1746 zu berichten wußte:

 

Berlin, vom 13. Januarii.
Gestern ward alhier der zwischen S. Königl. Majestät, unserm allergnädigsten Herrn, einer Seits, und dem Römisch-Kayserl. auch Königl. Ungarischen und Bömischen, ingleichen den Königl. Pohlnischen und churfürstl. Sächsischen Höfen anderer Seits glücklich geschlossene Friede mit vielem Gepränge öffentlich bekant gemacht.
Vormittags zwischen 10 und 11 Uhr marschierete ein Detachement von der Garde du Corps, bestehend in 30 Mann, unter dem Commando des Herrn Lieutenants von Pannewitz, vor das Königl. Schloß, holete allda seine silbernen Paucken ab, und rückte sodenn um 11 Uhr vor den grossen Stall-Platz, um den von Sr. Königl. Majest. allergnädigst ernennten Friedens-Herold, Herrn Hofrath Klaubert, in Empfang zu nehmen. Von dem grossen Stall-Platze gieng der Zug abermahls vor das Königl. Schloß, und zwar in folgender Ordnung: 1) Die silbernen Paucken der Garde du Corps, 2) 3 Trompeter von besagter Garde, und 10 von dem Regiment Gens d' Armes, 3) das erwehnte Detachement der Garde, in dessen Mitte der Friedens-Herold ritte.
Selbiger hatte einen auf Römische Art verfertigten sehr reich mit goldenen Tressen besetzten Herolds-Habit von blauem Sammet an. Auf der Brust sahe man den auf silbernen Grund gestickten schwartzen Königl. Preussischen und auf dem Rücken den ebenfalls gestickten Schlesischen Adler, auf jeder Schulter aber erblickte man gleichfalls einen von schwartzer Seide gestickten Adler. Der Herold hielt einen mit violetfarbenen Sammet bezogenen und oben mit goldenen Tressen besetzten Schurtz von blauem Sammet um, auch weisse seidene Strümpfe, und blaue sammetene mit goldenen Tressen geschmückte Schuhe an. Sein Huth war mit schwartzem Sammet aufgeschlagen, und oben mit weissen in die Höhe stehenden Federn gezieret.. Er saß auf einen Schimmel von ungemeiner Kostbarkeit, auf welchem eine lange herab hangende Decke von blauem Sammet mit goldenen Tressen hieng, und der von 2 Königl. Stall-Bedienten geleitet ward. Das gantze Beschläge an dem Zaum und den Riemen des Pferdes war von massiv Golde.
Sobald sich das Detachement der Garde du Corps vor dem Königl. Schlosse, gerade unter den Fenstern des Apartements Sr. Majest. in Ordnung gestellet hatte, verlas der Herr Hofrath Klaubert, unter Trompeten- und Paucken-Schall, nachstehende Friedens-Proclamation...
Die Worte: Es lebe der König! wurden bey dem Getöne der Trompeten und Paucken zweymal wiederholet, und das in unzehliger Menge versammelte Volck bekräftigte diesen höchst gerechten Wunsch durch sein aus Mund und Hertzen dringendes, freudiges Vivat der König!...
Abends erhob sich der Hof, und die Durchl. Braunschweigische Herrschaft, in das Opern-Hause, wo Redoute und grosse Tafel war. Alle bürgerlichen Masquen wurden daselbst auf Königl. Kosten in verschiedenen Zimmern mit allerhand Arten von Weinen und Speisen auf das herrlichste tractirt. Gegen dem Opern-Hause über war der transpirant illuminirte grosse Janus-Tempel zu sehen. Die Göttin des Friedens, welche einen Lorbeer-Crantz auf dem Haupte, und einen weissen und grünen Habit an hatte, schloß den Tempel mit ihrer rechten Hand zu, und hielt in der lincken einen Palmzweig. An ihrer Seite erblickte man eine Fama, mit ihrer Trompete, nebst 2 Geniis, mit Palmzweigen in den Händen...
Hinter dem Janus-Tempel ward ein schönes Feuerwerck angezündet. Die Palais Ihro Königl. Hoheiten des Printzen von Preussen und des Printzen und Markgrafen Carls, ingleichen das Chur-Märckische Landschafts-Haus, waren mit vielen 1000 Lampen erleuchtet, und mit den artigsten Sinnbildern gezieret. 

Preußen ging politisch gestärkt aus dem Krieg heraus, für Österreich änderte sich nicht viel, und Sachsen hatte neben seinen schmerzlichen materiellen Einbußen vor allem einen merklichen Verlust an europäischer Reputation zu beklagen. So sehr, dass Chefintrigant Graf Brühl bald neue Ränke spann, die Sachsen in den Siebenjährigen Krieg (1756 - 1763) und in die völlige politische Bedeutungslosigkeit führten. Aber das ist eine andere Geschichte - und Kesselsdorf wird wieder zu den Betroffenen gehören. 

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Letzte Aktualisierung ( Montag, 14 September 2009 )
 
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