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Die Entscheidung bei Kesselsdorf
Der Winter war in jenem Jahr zeitig, mit heftigen Schneefällen, grimmiger Kälte und eisigem Wind über Sachsen hereingebrochen. Deshalb zwangen die steilen, vereisten Wege aus dem Elbtal hinauf aufs Meißner Hochland und der kurze Wintertag die Preußen schon nach wenigen Meilen zum Biwak bei Röhrsdorf. Das verschaffte der sächsischen Heeresführung einen zusätzlichen Tag der Gefechtsvorbereitung. Die Atempause verleitete Generalfeldmarschall v. Rutowsky aber auf Grund neuer, irritierender Aufklärungsergebnisse über den Anmarsch des "Alten Dessauers" auch zu unbesonnenen Truppenverschiebungen, die der ohnehin angeschlagenen Kampfmoral der sächsischen Soldaten abträglich waren. Rutowsky hatte am Morgen des 13. Dezember Kriegsrat mit Prinz Karl von Lothringen und dem Herzog von Weißenfels, der immer noch dem Geheimen Rat vorstand, gehalten, wobei die Höhen westlich vor Dresden, also in der Kesselsdorfer Gegend, als geeignet erachtet worden waren, um die Preußen gebührend empfangen zu können. Am Vormittag begann die Verlegung in den befohlenen Raum. Von Kemnitz an der Elbe über Omsewitz bis Pennrich - immer den Zschoner Grund vor Augen - und weiter über Zöllmen bis Kesselsdorf postierten sich mehr oder weniger geschlossen, aber auf jeden Fall in desolatem äußeren Zustand, die sächsischen Truppenteile, dazu eine Handvoll Österreicher. Prinz Karl mit den österreichischen Hauptkräften, immerhin 18.000 Mann, war der linke Flügel des Aufmarsches, westlich von Kesselsdorf, zugedacht. Die Flanke blieb freilich verwaist, Karls Leute hatten sich nicht rechtzeitig vom Dresdner Quartier losreißen können und mußten dem Gemetzel fernbleiben - zu ihrem Glück!

 

Prinz Karl von Lothringen
Prinz Karl von Lothringen

 

Friedrich August Graf v. Rutowsky
Friedrich August Graf v. Rutowsky


Der nächste Befehl ereilte die bibbernden sächsischen Regimenter am 14. Dezember nachmittags: In den umliegenden Dörfern solle Unterkunft bezogen werden. Das freute die armen Krieger. Kaum oder noch gar nicht dort angekommen, pfiff sie die nächste Order jedoch in die alten Stellungen zurück, in die zerfetzten Zelte, ohne jede Verpflegung. Ein paar unbedeutende Geplänkel zwischen sächsischen und preußischen Reitern weit vor der bezogenen Linie, bei Röhrsdorf und Taubenheim, hatten die rasche Kehrtwende provoziert. Kurz nach Mitternacht, nun schon am 15. Dezember, wurde es dann ernst. Der Vormarsch der Preußen auf Wilsdruff war nicht unbemerkt geblieben, die sächsischen Soldaten traten an und erwarteten auf den verschneiten Höhen bewegungslos, Gewehr bei Fuß, schlotternd vor Kälte und Hunger, bis zum Morgen den Gegner. Insgesamt boten die Sachsen 31.000 Mann mit 42 schweren Geschützen auf, 1.000 Soldaten mehr als die Preußen, verteilt auf eine Länge von 7,2 Kilometer - das Kräfteverhältnis schien trotz einiger Lücken in den sächsischen Linien einigermaßen ausgeglichen zu sein, so würden Taktik und Kriegsglück über den Ausgang der unausweichlichen Schlacht entscheiden müssen. Uniformierung und Ausrüstung der sächsischen Armee um 1745 hat Dirk Brendler bildlich dargestellt: Infanterie , Kavallerie , Artillerie .

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Sächsische Kavallerie
Sächsische Grenadiere 
Österreichische Infanterie Sächsische Kavallerie Sächsische Grenadiere

Der Schriftsteller Wulf Kirsten , unweit von Kesselsdorf aufgewachsen, hat in seinem Buch "Die Schlacht bei Kesselsdorf. Ein Bericht" die Leiden der Soldaten mitfühlend und drastisch geschildert. Mit seiner freundlichen Einwilligung geben wir hier und an weiteren Stellen Passagen daraus wieder.Der "Alte Dessauer" war an jenem Schicksalstag frühzeitig vom unfreiwilligen Feldlager bei Röhrsdorf aufgebrochen, marschierte mit seinen Truppen durch das Tal der Kleinen Triebisch, umging Wilsdruff im Westen und Süden und stand am Mittag mit den Spitzen der Hauptkräfte auf den Höhen nördlich von Kesselsdorf, vor sich den sächsischen Gegner. Das oft zitierte Gebet des Fürsten vor der Schlacht ("Lieber Gott, stehe mir heute gnädig bei, oder, willst du mir diesmal nicht beistehen, so hilf wenigstens auch dem Schurken von Feind nicht, sondern sieh, wie's kommt!") gehört sicherlich ins Reich der Legende. Wir wissen auch nicht, ob der wegen der unverblümten Schelte des Preußenkönigs noch stark vergnatzte alte Mann wirklich ausrief: "Jetzt wollen wir einen Stank von uns gehen lassen, daran sie in Sachsen noch lange zu riechen haben." Jedenfalls, so viel steht fest, eröffnete die Artillerie, kaum am Lärchenhübel (einem damals vorhandenen Wäldchen an der Straße Wilsdruff - Kesselsdorf) in Stellung gegangen, ohne genaue Erkundung der sächsischen Stellungen ein wirkungsloses Feuer auf die linke Flanke des Gegners.

 
Das legendäre Gebet Leopold
Das legendäre Gebet Leopold
 
Skizze: Dirk Brendler
Skizze: Dirk Brendler
 

Gegen zwei Uhr nachmittags war der preußische Aufmarsch abgeschlossen - so spät, dass im Stab von Rutowsky keiner mehr mit einem richtigen Angriff vor dem nächsten Morgen rechnete. Aber der ergrimmte Leopold hielt an diesem Tag offenbar nichts von üblichen Kriegsregeln. Er befahl sofort die Attacke. 1.500 preußische Grenadiere gingen in dicht geschlossenen Reihen ausgerechnet gegen die mit 20 Geschützen bestückte "Große Batterie" am westlichen Ausgang von Kesselsdorf vor, hinter der zudem noch sechs Grenadierbataillone lauerten. Das mußte schief gehen! Wulf Kirsten beschreibt die tödlichen Folgen der vertrackten Entscheidung literarisch. 

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Rekapitulieren wir kurz: Der erste preußische Ansturm war im wütenden Verteidigungsfeuer der Sachsen mit beträchtlichen Verlusten zusammengebrochen, die Angreifer fluteten in Panik zurück. Da gab Generalleutnant Wilster, der Chef der sächsischen Artillerie, den Grenadierbataillonen Gfug und Le Fée den unbedachten Befehl, die sichere Deckung zu verlassen und den konfus fliehenden Gegner zu verfolgen. Wilster sah die fette Beute in Form der preußischen Geschütze, die abgerissenen Grenadiere fanden mehr Gefallen an den Monturen der toten und verwundeten Feinde. Die sächsische Artillerie mußte schweigen, um die vorstürmenden eigenen Leute nicht zu gefährden. Jetzt kam die Stunde der Genugtuung für den "Alten Dessauer". Der schlaue Fuchs erkannte sofort die veränderte Lage, ließ mit starken Infanterie- und Kavalleriekräften zum Gegenangriff blasen und hatte binnen kürzester Zeit die sächsischen Formationen durcheinandergewirbelt. Jetzt rächte sich auch bitter die streckenweise unterbrochene Schlachtordnung der Sachsen und die schlampige Organisation der Kämpfe. Die Panik war nun auf Seiten der Verteidiger, das brennende Dorf bald in preußischer Hand, und niemand konnte die wilde Flucht der Sachsen durch den Steinleitengrund und über andere Wege nach Dresden verhindern. Nur zwei Stunden nach Beginn war die Schlacht entschieden, der Sieg des Fürsten Leopold vollkommen, die militärische Niederlage der Sachsen mörderisch und von weitreichenden politischen Folgen.  

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Letzte Aktualisierung ( Montag, 14 September 2009 )
 
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