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Seite 4 von 4 An der Erntedankfeier in der Kirche am 1. Oktober 1944 nahm auch Reichsbischof Ludwig Müller (links) teil, der - ganz im Sinne der "Gottesdienstordnung der Deutschen Christen" - eine "Heldenehrung" zelebrierte. Ortspfarrer Johannes Roch hatte zu diesem Anlaß den beiden Kirchenliedern "Wachet auf!" und "Das Land meiner Väter" je einen eigenen Vers hinzugefügt. In einem davon hieß es: "Erhalt uns den Führer, Du Gott aller Gnaden, Du gabst ihn als Retter aus furchtbarer Not. Wir folgen ihm treulich auf siegreichen Pfaden für Deutschland, wir kämpfen getreu bis zum Tod! Treu bis zum Tod!" Nach dem Gottesdienst begab sich der Bischof nach Oberhermsdorf, um dort mit dem berüchtigten sächsischen Gauleiter und "Reichsstatthalter" Martin Mutschmann eine groß angelegte Erntedankkundgebung zu besuchen. Am 13. Februar 1945 erfolgte der verheerende Luftangriff englischer und amerikanischer Bomberverbände auf die Kunststadt Dresden. Die entsetzlichen Auswirkungen - wenn auch nicht unmittelbar - bekamen auch die umliegenden Orte zu spüren. Erschöpfte Menschen, vorwiegend Frauen, alte Leute und Kinder, die dem Inferno entronnen waren, suchten mit ihrer letzten Habe Unterkunft in der Umgebung der Landeshauptstadt. Pfarrer Roch, der nazi-ergebene Gelegenheitsdichter, schrieb dazu: "Über die Schreckenstage der Endphase des Krieges sei für die kommenden Geschlechter folgendes berichtet: Am 13./14. Februar 1945 flogen unzählige Bombergeschwader über Kesselsdorf Richtung Dresden und erhellten den nächtlichen Himmel mit 'Christbäumen'. Ein glutroter Schein warf bald seine Strahlen von der brennenden Stadt her. Furchtbares Rollen und Krachen hörte man bis über die Dörfer weithin. - Gegen 3 Uhr morgens fuhren LKW im Pfarrhof ein. 64 Säuglinge, 48 evang. Diakonieschwestern, 8 Ärzte und Ärztinnen vom Kinderkrankenhaus Dresden (Chemnitzer Straße) entstiegen, teils mit Brandwunden, Gehirnerschütterungen und Brüchen. Ich hatte bereits Tage zuvor den Gemeindesaal mit Stroh neu belegen lassen, da wir laufend Flüchtlinge und Evakuierte aufnahmen. So haben wir auch diese bedauernswerten Opfer der Schreckensnacht, davon 30 Schwestern im Pfarrhaus, 12 Tage lang beherbergt und beköstigt."
Das Kriegsgeschehen kam nun immer näher, die Macht der Nationalsozialisten ging ihrem Ende entgegen. Das Donnern der Geschütze der heranrückenden Fronten war bald auch im Dorf zu hören. Die Amerikaner machten im nicht weit entfernten sächsischen Städtchen Hainichen halt, die sowjetischen Truppen erreichten in den ersten Maitagen den Dresdner Raum. Acht Artilleriegeschosse, die in Kesselsdorf am 7. Mai 1945 einschlugen, richteten keinen Schaden an. Am 8. Mai, morgens gegen 7.30 Uhr, erreichten die ersten sowjetischen Soldaten den Ort. Pfarrer Roch berichtete: "...Ich erwähne noch, daß vom 8.Mai bis 20.Juli 1945 das Pfarrhaus Kesselsdorf 21 mal von durchziehenden Kampftruppen (Polen und Russen) durchgeplündert worden ist, viele Kleidungsstücke und Schmucksachen, aus der im Archiv liegenden Kirchen-Kasse ca. 300,-m, u.a.m. gingen mit. Mein neues Kleinkraftrad verschwand aus der Sakristei, wo es geborgen stand. - Laß fahren dahin! -" Für die am 8. Mai aus Wilsdruff kommenden Soldaten stellte die vor Kesselsdorf errichtete Panzersperre kein ernsthaftes Hindernis dar. Die Truppe zog nur durch den Ort, die nachfolgenden Einheiten verhielten sich dann jedoch mehr nach der Art der schon in früheren Zeiten in Kesselsdorf agierenden Soldateska. Bei den Bauern Schröder und Dürigen wurden alle Tiere aus den Ställen getrieben. Da die Bewohner des letzteren Gutes nicht anwesend waren, hausten die Soldaten tagelang dort; was nicht transportabel war, wurde vernichtet.Auch in diesem Krieg wurde in Kesselsdorf um viele Männer getrauert, die für die wahnwitzigen Ziele eines unmenschlichen Systems einst ausgezogen waren und dann auf den Schlachtfeldern in vielen von der Hitler-Wehrmacht überfallenen Ländern "für Führer, Volk und Vaterland" ihr Leben lassen mussten.
Die Gefallenen und Vermissten des 2. Weltkrieges aus Kesselsdorf sind:
Erhard Winkler, Friedrich Neumann, Helmut Becker, Arno Nicolai, W. Neugebauer, Gerhard Striegler, Hans Müller, Hermann Ferch, Theodor Weber, Fritz Lange, Otto Becker, Otto Fichtner, Ottomar Becker, Akfred Heinrich, Horst Krausse, Dora Gerschner, Rudolf Töpolt, Fritz Jentsch, Hans Kühnel, Dieter Wennrich, Gerhard Pritzke, Helmut Zuschke, Heinz Mai, Fritz Menzel, Willi Richter, Herbert Börner, Alfred Gärtner, Arno Hammermüller, Kurt Erdner, Paul Klotzsche, Rudolf Schäfer, Paul Ritter, Horst Sischka, Herbert Iltzsche, Erich Henker, Rudolf Faber, Rudolf Zschoke, Arno Gessner, Paul Rühle, Heinrich Walter, Wilhelm Voigt, Hans Üapperitz, Erich Wahl, Herbert Böhme, Otto Holzhauer, Walter Schuster, Walter Thielemann, Erhard Fischer, Helmut Sowa, Rudolf Fischer, Felix Becker, Bruno Mautsch, Wilhelm Lücke, Gerhard Küchenmeister, Gerhard Nestler, Kurt Treppte, Helmut Gärtner, Erich Kotzsch.
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