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Stramme Patrioten

Das hatte unserem Dorf bisher gefehlt: Am 30. Mai 1897 gründeten 54 vaterländische Herren den "Königl. Sächs. Militärverein Kesselsdorf und Umgebung". Der 44-jährige Postagent Heinrich Gustav Kohl ließ sich zum Vorsitzenden wählen und blieb in diesem Amt bis zu seinem Tode 1911. Die Satzung des Vereins verpflichtet seine Mitglieder, "...mit Gott für König und Vaterland, für Kaiser und Reich allezeit einzutreten, die Kameradschaft im Geiste des ehemaligen Soldatenlebens zu hegen und zu pflegen, bei Krankheit und Tod der Mitglieder linderns beizustehen". Der Zulauf war groß, Ende des Jahres war die Mitgliederzahl auf 104 angewachsen, und es hatte sich eine Gewehrabteilung gebildet. Sie zeigte sich am 5. September 1898 anläßlich der Sedan-Feier in Kesselsdorf erstmalig in Uniform. Fortan erschien sie bei allen Festlichkeiten im Ort und bei der Beerdigung von Kameraden. Führer der Abteilung war Bruno Iltzsche.

1899 ließ sich der Gemeinderat vom Brunnenbauer Teller aus Wilsdruff einen Kostenanschlag für eine Wasserleitung vom Gemeindebrunnen zum Kappelsberg vorlegen. Teller veranschlagte 928 Mark.  PfarrerIm Jahre 1900 war die Einwohnerzahl von Kesselsdorf auf 889 angestiegen (rund 100 mehr als zehn Jahre zuvor). Auf einer Fläche von 388 ha standen 77 Gebäude. Die Parochie Kesselsdorf, seit 1870 zur Amtshauptmannschaft Meißen gehörig, umfaßte jetzt folgende Ortschaften mit fast ausschließlich evangelischer Bevölkerung: Kesselsdorf (889), Niederhermsdorf (965), Oberhermsdorf (763), Kleinopitz (530), Braunsdorf (853), Kaufbach (361), Wurgwitz mit Hammer und Kohlsdorf (934) und Zöllmen (109) - insgesamt 5.388 Bewohner, die teil Ackerbau betrieben, teils und zumeist vom Kohlebergbau in Wurgwitz, Zauckerode und Niederhermsdorf lebten.Um 1903 blühte das Vereinsleben des Ortes. Es entstanden der Turnverein, ein Gesangsverein, der Gemeinnützige Verein und ein Bund junger Landwirte. Der Militärverein beging im Sommer 1903 seine Fahnenweihe, die etwa 3.500 Neugierige ins Dorf lockte. Für die Festwiese hinter dem Gasthof "Zur Krone" waren 1.000 Karten ausgegeben worden. Vereins-Ehrenvorsitzender Gustav Leßmüller, von 1894 bis 1911 Pfarrer in Kesselsdorf, hielt, dem Pathos der Zeit entsprechend, eine martialische Weiherede, in der er den Krieg als Retter des Vaterlandes pries und die Soldatenzeit und den Tod für Kaiser und König als das Schönste im Leben eines Mannes verherrlichte.



Abb.: Pfarrer Gustav Hermann Leßmüller, Ehrenvorsitzender des Königl. Sächsischen Militärvereins Kesselsdorf und UmgebungDenkmal

Am 17. März 1907 beschloß der Gemeinderat die Gründung einer "Freiwilligen Feuerwehr" im Ort.
Am 6.September des gleichen Jahres bat Rechnungsrat a.D. Köhler aus Kesselsdorf den Gemeinderat umUnterstützung für das Projekt eines Denkmals zur Erinnerung an die Schlacht von 1745. Initiator war die Ortgruppe Briesnitz des Gebirgsvereins "Sächsische Schweiz". Die Gemeinde bewilligte 50 Mark und erklärte sich bereit, das Denkmal nach Fertigstellung in ihre Obhut zu nehmen. Am 13. Oktober 1907 fand sich allerhand Prominenz aus der Landeshauptstadt Dresden und viel Volk aus der Umgebung zur feierlichen Einweihung des Denkmals auf historischem Kesselsdorfer Boden zusammen. Die Weiherede hielt wiederum Pfarrer Leßmüller.Die Elekrifizierung des Ortes stand am 14. Januar 1908 auf der Tagesordnung des Gemeinderates. Man war sich einig, das Elektrizitätswerk in Deuben zu konsultieren. Am 22.Dezember wurde der eingegangene Entwurf und das Angebot des Werkes diskutiert. Am 3.und 4.Februar des folgenden Jahres verhandelte man immer noch und kam zu keinem brauchbaren Ergebnis. Obwohl Kesselsdorf immer noch nicht an ein Wasserleitungsnetz angeschlossen war, lehnte der Gemeinderat am 22. Dezember 1908 die Beteiligung an einer von der Gemeinde Braunsdorf beabsichtigten Wasserversorgungsgenossenschaft ab.ChorIm Februar 1910 erfolgte die Gründung des Chorgesangsvereins Kesselsdorf, aus dem später der Kirchenchor hervorging. nzwischen hatte auch die Elektrifizierung begonnen. Entlang der durch den Ort führenden Hauptstraße Dresden - Wilsdruff wurden Straßenlaternen installiert. In der Nacht vom 12. zum 13.März 1910 ereignete sich das erste tragische Autounglück in der Kesselsdorfer Geschichte. Das große Landauermobil des Pennricher Monteurs Dietel war, mit fünf Dresdner Herren und dem Fahrer besetzt, aus Richtung Dresden kommend, nach schneller Talfahrt am Kappelsberg auf die linke Straßenseite ausgeschert und gegen einen Baum und einen Telegrafenmast gerast. Aus dem völlig zertrümmerten Fahrzeug wurden zwei Tote und zwei Schwerverletzte geborgen.

Wasser blieb knapp. Deshalb beschloß der Gemeinderat am 1. September 1911, den Gemeindebrunnen nachts abzuschließen, um die Wasserentnahme zum Gießen und Viehtränken zu unterbinden. Am 27. März 1912 erfolgten ergebnislose Verhandlungen mit der Gemeinde Niederhermsdorf über den Bau einer Wasserleitung. Nach Konsultationen mit den Amtshauptmannschaften Dresden (8. Dezember 1913) und Meißen rang sich der Gemeinderat am 14. Februar 1914 zu einem Kostenanteil für ein neues Gemeinschaftsprojekt durch. Als sich aber 14 Tage später herausstellte, dass nach Aussage eines Fachmannes der ausführenden Firma ein Anschluß der Gemeinde Kesselsdorf an den geplanten Wasser-Gemeindeverband Dresden-West nutzlos wäre, zog man die 100 Mark zurück und setzte auf ein Spezialprojekt für unser Dorf. Damals konnte noch niemand ahnen, dass das Wasserproblem in Kesselsdorf bis weit nach Ende des 2.Weltkrieges ungelöst bleiben sollte.



Letzte Aktualisierung ( Montag, 14 September 2009 )
 
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