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Heimatkreis Kesselsdorf
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Um das Jahr 1819 war Kesselsdorf ein Amtsdorf im Procuratur-Amt Meißen. Ein Gut gehörte mit acht Einwohnern zum Religions-Amt Dresden, das übrige nebst 22 Hufen nach Meißen. Insgesamt bestand der Ort aus 45 Häusern mit 250 Einwohnern, einer unter der Inspektion Dresdens stehende Pfarrkirche und Schule. Eingepfarrt waren die Orte Kleinopitz, Kaufbach, Oberhermsdorf, Wurgwitz, Niederhermsdorf und Braunsdorf. Ebenfalls 1819 begann der Ausbau der Straße zwischen Kesselsdorf und Wilsdruff. Er war erforderlich geworden, nachdem der bisherige Verlauf der amtlichen Verkehrs- und Postverbindung von Dresden über Pennrich, Unkersdorf und Kaufbach nach Wilsdruff aufgegeben und über Kesselsdorf gelegt worden war. Eine neue Feuerspritze

Am 27. März 1824 kaufte die Gemeinde von der Firma Mare & Bretschneider in Dresden eine moderne "große doppeltze Feuerspritze, welche mit 14 Mann bearbeitet wird und in der Minute 14 Kubik-Fuß oder 350 Dresdner Meßkannen Wasser liefert, ihren Strahl in beständigem Guß 114 Fuß hoch und 119 Fuß weit trägte, mit zwei Mundstücken und 50 Ellen neuen gut gewürkten hänfnen Schlauch, insgesamt für 308 Thaler." 1825 baute die Gemeinde das Gelände des "Neuen Gottesackers" zwischen Kirchhof und dem sog. Pastorberg aus. Dafür wurden alle eingepfarrten Dörfer mit Finanzen, Arbeitsleistungen und Spanndiensten einbezogen.

Der Zolleinnehmer Pfeiffer jammerte 1828 in einem Schreiben an König Anton, sein Einnehmerhaus, dessen Bau 1.300 Rheintaler gekostet habe, liege auf sumpfigem Boden. Durch ein Kriegsleiden vom Rußlandfeldzug 1812 und den Einnehmerdienst bei Wind und Wetter habe er nun ein Nervenleiden und sei kränklich. Er bitte, da er auch am Ende der 60er Jahre stehe, um seine Pensionierung. Der gütige Sachsenkönig bewilligte Pfeiffer eine jährliche Pension von 150 Talern. Neuer Zolleinnehmer wurde am 1. Januar 1829 Gotthold Lehmann aus Nossen.
Im Post- und Zeitungslexikon ist zu dieser Zeit zu lesen: "Kesselsdorf ist etwa 1.100 Schritt lang, mit einer Brauschenke in der Mitte, durch welche der Weg nach Tharandt geht. In diesem Ort gibt es mehrere elegante zu Sommerwohnungen für die Dresdner eingerichtete Gärtnerstellen. Obst und einiger Weinanbau. 300 Einwohner. Es werden Vogelschießen und andere Lustbarkeiten veranstaltet."

 

Das sündige Dorf

Justizamtmann Gottleber in Wilsdruff hatte erfahren, dass in Kesselsdorf ein Liebhaber-Theater unter der Leitung des Lehrers Schmidtgen bestehe. Gendarm Müller wurde beauftragt, die Sache zu untersuchen. Er berichtete: Im Ludwig'schen Gasthof bestehe etwa seit drei Jahren eine Gesellschaft, die jeweils mittwochs zusammenkomme. Man führe unnütze Gespräche, spiele Karten um hohe Beträge und Theater.

Das mußte natürlich amtlich untersagt werden. Da jedoch weiter geprobt wurde, richtete der erzürnte Moralist Gottleber am 27. März 1828 eine große Eingabe an die Landesregierung: "In den beiden Gasthöfen Kesselsdorfs tagen wöchentlich einmal zwei geschlossene Gesellschaften. Im Lindner'schen Gasthofe kommen die Prediger, Gutsbesitzer, Forstleute, Verwalter, überhaupt Individuen zusammen, die insgesamt der gebildeten Klasse angehören.. Im Ludwig'schen Gasthof trifft sich der Bauernstand und einzelne Personen der Wilsdruffer Bürgerschaft, die in Ansehung der bürgerlichen Verhältnisse und intellektuellen Bildung insgesamt auf ungleich niederer Stufe stehen. Die letzte Gesellschaft hat nun letzthin ein Theater begründet. Dekorationen und Garderobe werden von Juden in Dresden geborgt. Nach beendigtem Schauspiel bleibt man die ganze Nacht, bis 2 und 3 Uhr, im Gasthaus, tanzt, trinkt, spielt und vertreibt sich die Zeit auf beliebige Art. Image

Abb::Im Lindnerschen (Oberen) Gasthof (rechtes Bild), dem offenbar nobleren Etablissement, traf sich, wie Gottleber wußte, die bessere Gesellschaft: Prediger, Gutsbesitzer, Forstleute und Verwalter, während das gemeine Volk in Ludwigs Gasthof laut Gendarm Müller unnütze Gespräche führte, allerdings nicht in dem von C.G.Ludwig erst 1846 für 7.000 Taler erbauten neuen Gasthof (rechts, Ansicht um 1900),sondern in der Vorgänger-Kaschemme auf der gegenüberliegenden Straßenseite.Gasthof

Diese Erscheinung bezeichnet den jetzigen Zeitgeist. Ganz junge Mädchen aus Wilsdruff nehmen daran teil. Wohin soll das führen, wenn der Geist des städtischen Luxus auch den Bauernstand ergreift, wenn er geschlossene Zirkel bildet, Bälle und Konzerts abhält und sogar Liebhaber-Theater in seiner Mitte errichtet? Wenn der Landmann, statt sich regelmäßigem Schlafe hinzugeben und dadurch zu seiner Arbeit sich zu stärken, die Nacht hindurch in Spiel, Schmausen und Brausen schwärmt? Wenn er sich Genüssen hingibt, die sonst dem Bauernstand fremd waren? Wenn er dem damit verbundenen Kleiderluxus frönt? Wenn er den mühsam erworbenen Lohn seines Fleißes mit unbegreiflichem Leichsinn verpraßt und vergeudet?
Dieses regellose Leben wird nicht allein den Bauernstand, dem nicht die zeitherige schlechte Zeit, sondern vielmehr der Luxus zum großen Teil den ehemaligen Wohlstand geraubt hat, mit Riesenschritten der Verarmung entgegenführen und demoralisieren, sondern auch dem Staate eine unheilbare Wunde schlagen. Es ist daher eine unverbrüchliche Pflicht der Obrigkeit, diesem Krebsschaden soviel als möglich Einhalt zu tun und den Bauernstand in die Schranken der Ordnung zurückzuweisen." Die Obrigkeit reagierte, allerdings gemäßigt: dem Lehrer wurde kurzerhand jegliche Beteiligung an diesen Gesellschaften verboten.



Letzte Aktualisierung ( Montag, 14 September 2009 )
 
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