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Seite 3 von 3 Die Bayern in Kesselsdorf Napoleon I. , seit 1804 Kaiser von Frankreich, bot dem sächsischen Kurfürsten Friedrich August III. nach der Schlacht bei Jena am 14. Oktober 1806 einen Waffenstillstand an. Der Sachse akzeptierte sofort, öffnete den Truppen des Imperators die Elbübergänge und erhielt von Napoleon dafür beim Friedensschluß von Posen am 11. Dezember süßen Lohn: die Königswürde. Sachsen war also von jetzt an Königreich, und der Landesvater nannte sich stolz König Friedrich August I. Der Pferdefuß: Sachsen mußte an Frankreich eine Kriegsentschädigung je Hufe Land zahlen. Das traf weniger den König als das gemeine Volk. So beliefen sich die Abgaben der Kesselsdorfer Einwohner an die Franzosen am 29.Dezember 1806 auf 440 Taler für 22 Hufen (je Hufe 20 Taler), am 30. April 1807 auf 220 Taler (je Hufe 10 Taler) und am 31.September 1807 auf 55 Taler (je Hufe 2 Taler und 20 Groschen). Und auch die Bayern machten den geplagten Dorfbewohnern arg zu schaffen, wie der Gemeindeälteste von Kesselsdorf zu berichten wußte: "...den 25 ten Oktober (1806) war die Neutralität völlig mit Sachsen geschlossen und gingen am selbigen Tage die Bayrischen Truppen schon durch Kesselsdorf und rückten in Dresden ein... war bey den Durchmarsch der Bayrischen Truppen große Noth indem man nicht nur wegen der Einquartierung viel geben mußte, sondern auch alle, welche durchmarschierten sehr vieles verlangten und quirirten." Mit dem berüchtigten "Schwarzen Korps" hatte Kesselsdorf 1809 ziemlichen Kummer. Das kam so: Herzog Friedrich Wilhelm von Braunschweig-Wolfenbüttel, bis 1806 Regimentskommandeur in preußischen Diensten, konnte in selbigem Jahr, als sein Vater starb, sein Ländchen nicht als Regent übernehmen, weil es ihm Napoleon weggenommen und im Friedensschluß von Tilsit 1807 dem Königreich Westfalen zugeschlagen hatte. Das ergrimmte ihn verständlicherweise - er ging nach Böhmen, gründete dort ein Freikorps von 2.000 verwegenen Gesellen (das "Schwarze Korps"), um sich sein Fürstentum zurückzuerobern, und schloß sich zu diesem Zweck den Österreichern an, die sich bekanntlich mit Napoleon angelegt hatten. Am 12.Juni 1809 besetzte er Kesselsdorf. Obwohl der österreichische General Am Ende den Sachsen hoch und heilig versichert hatte, seinen Soldaten sei es bei schwerer Strafe verboten zu plündern, sah die Wirklichkeit anders aus. Unser Dorf hatte unter den Leuten des Schwarzen Herzogs sehr zu leiden. Die Braunschweiger requirierten Wein, Kaffee und Zucker, viele Häuser wurden aufgebrochen und ausgeraubt. Die Kesselsdorfer konnten erst aufatmen, als das Schwarze Korps nach Meißen weiterzog.Die große Straße durch Kesselsdorf gewann in diesen Jahren vor allem an militärischer Bedeutung. Napoleon ließ sie am Kappelsberg verlegen, verbreitern und ausbauen. Nach Beginn des Rußlandfeldzuges marschierten zu Beginn des Frühjahrs 1812 Tag für Tag Teile der Napoleonischen Armee durch das Dorf, Soldaten mehrerer Nationen - deutsche, spanische, italienische, französische: "Den 28. mertz kamen Franzosen über Freiberg nach Grumbach, Kaufbach und Kesselsdorf ins Quartier. In Kesselsdorf stach ein Franzos eines Bauern Knecht in den leib durch und durch, das er den anderen Tag sterben mußte. Der Franzos wurde noch den selben Tag erschoßen, es war der erste Osterfeyertag, es war reitende Atollerie." Am 16. Mai gegen Abend war es dann Napoleon selbst, der auf der Fahrt von Freiberg nach Dresden durch unser Dorf kam. Einige Monate später hatten sich das Bild und die Marschrichtung geändert. Wieder zog die französische Armee durch Kesselsdorf, aber diesmal waren die Soldaten gezeichnet von der verheerenden Niederlage gegen Rußland an der Beresina (26. - 28. November 1812), abgerissen, hungernd, elend und krank.
Am 1.Dezember 1812 wies der König von Sachsen an, in Kesselsdorf eine Chausse-Einnahme zu errichten. Als Zolleinnehmer wurde der ehemalige Offizier Johann Heinrich Pfeiffer eingesetzt. Das Einnehmerhaus mußte er sich freilich aus eigenen Mittel bauen. Das Holz für den Bau des Hauses und den Schlagbaum bekam er vom Staat bewilligt, auch eine jährliche Miete von 30 Rheintalern. Sein Sold betrug 7 Taler monatlich, dazu 24 Pfennige von den erhobenen Chausseegeldern und 18 Taler jährlich für Licht, Holz und Schreibmaterial.Im Spätherbst 1813, die Völkerschlacht bei Leipzig 16. -19.Oktober war geschlagen, begaben sich Hunderte von Arbeitern aus Kesselsdorf und Umgebung auf die im Krieg vor dem Ort aufgeworfenen Schanzen und ebneten sie in mühevoller Arbeit wieder ein. In diesem Jahr verzeichnete das Kirchspiel mit 170 Toten eine hohe Sterblichkeit, zurückzuführen auf die grassierenden Krankheiten Nervenfieber und Ruhr. Im Jahr darauf forderte die Epidemie mit 104 Toten immer noch erheblich mehr Opfer als in "normalen" Zeiten.
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