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Im Siebenjährigen Krieg

Die ruhige Zeit für Sachsen nach dem Dresdner Frieden (1745) währte nicht lange. Friedrich II. von Preußen fiel im August 1756 in Sachsen ein, nachdem Brühl zwar nicht förmlich dem Antipreußen-Bündnis Österreich-Rußland-Frankreich beigetreten war, aber unzweideutig deren Politik unterstützte. Da er gleichzeitig das sächsische Heer wegen Geldmangels von 45.000 auf 17.000 Mann reduziert hatte, ohne es zu modernisieren, stand er gegen den erfahrenen und militärisch überlegenen Hohenzollern von vornherein auf verlorenem Posten. Die sächsische Armee kapitulierte bei Pirna und wurde kurzerhand dem preußischen Heer einverleibt. Der Krieg sollte sieben Jahre dauern - ohne sächsische Soldaten, aber immer auch auf sächsischem Boden.HochkirchKesselsdorf traf es in dieser Zeit zwar nicht so hart wie in der blutigen Schlacht auf seinen Gefilden, aber kleinere Geplänkel, Einquartierungen und Truppendurchzüge brachten doch viele Unbilden und Beschwernisse für das Dorf und seine Bewohner. Am 6. und 7. September 1756 nahm Friedrich II. wieder sein Hauptquartier im benachbarten Wilsdruff, 1757 marschierten die Preußen abermals durch Kesselsdorf - der Ort gehörte zum Vorpostengelände. Am 27. August 1758 bezogen die preußischen Truppen zwischen Kesselsdorf und Zöllmen ein großes Lager. Zu ihrer Versorgung sollte Wilsdruff 200 Scheffel Hafer für die Pferde und fünf Faß Bier liefern. Da die Stadt dazu nicht in der Lage war, setzten die Preußen Bürgermeister Lähnhardt als Geisel fest. Den zu seiner Bewachung eingesetzten fünf Husaren mußte die Stadt als "Execution" aller zwei Stunden 2 Taler Gebühr gezahlt werden. 3 Taler und 14 Groschen zahlte der Bürgermeister schließlich selbst.Nachdem die Österreicher unter Daun den Preußen am 14. Oktober bei Hochkirch eine empfindliche Niederlage zugefügt hatten, zog Friedrich II., von Daun verfolgt, alle Truppen zusammen. In Dresden verblieben nur 3.000 Mann unter dem Kommandanten Graf Schmettau. Etwa 10.000 Mann standen unter Generalleutnant von Finck bei Gamig und Maxen. Die Österreicher, die Verfolgung der Preußen plötzlich aufgebend, kamen zurück, um die schlecht befestigte sächsische Residenzstadt einzunehmen. Finck entging der Isolierung von der Stadt, indem er seine Stellung im Müglitztal aufgab und sich über den Plauenschen Grund nach Kesselsdorf zurückzog. MaxenSein König war unzufrieden und schrieb ihm aus Lauban hierher am 31.Oktober: "Essen, Trinken und Nichtstun ist die Devise der Mönche, aber nicht der Soldaten!" Darauf schob Finck vom Kesselsdorfer Lager aus seine Vorposten bis Wilsdruff. Am 8. November zogen sich die Preußen abermals in ein Lager bei Zöllmen (neben Kesselsdorf) und Pennrich zurück. Am nächsten Tag gingen sie über die Elbe, Dresden auf Altstädter Seite den Österreichern überlassend. Vor Weihnachten aber war Friedrich wieder in der Gegend mit der Forderung, daß von jeder Hufe Land bis zum kommenden März 6 Scheffel Hafer, 6 Zentner Heu, 1 Scheffel und 6 Metzen Korn nach Dresden zu liefern seien. Am 29.August 1759 marschierte die Reichsarmee durch Kesselsdorf, errichtete zwischen Zöllmen und Döltzschen ein Lager und bedrohte das von den Preußen besetzte Dresden. Kommandant Schmettau übergab die Stadt am 4. September an Feldmarschall Daun. Dessen Truppen zogen am 15.September wiederum durch unser Dorf. Nach der Niederlage des erneut bei Maxen stehenden Generalleutnants Finck am 21.November wählte Friedrich II. sein Hauptquartier in dem inzwischen vertrauten Wilsdruff. Überall in unserer Gegend quartierten sich die Preußen ein, viele Soldaten führten sogar ihre Familien mit. Da verwundert es nicht, dass allein in Kesselsdorf im Winter 1759/60 etwa 20 Soldatenkinder geboren und getauft worden waren, wovon viele aber nach kurzer Lebensdauer starben. Dieser Winter muß ziemlich grimmig gewesen sein, denn die Kesselsdorfer Chronik berichtet von einer großen Anzahl von Obstbäumen, die von den Preußen zu Feuerungszwecken geschlagen wurden.

Auch das folgende Jahr 1760 brachte den Kesselsdorfern ständig wechselnde Einquartierungen, unter denen sie viel zu leiden hatten - die Geburten unehelicher Kinder zählten sicherlich noch zu den geringeren Übeln. Die Sterbeziffern sagen viel über die Not jenes Jahres aus. Während in Kesselsdorf in den Jahren 1758 (42 Gestorbene), 1759 (61) und 1761 (46) die Rate ungefähr gleich blieb, schnellte sie 1760 auf die Rekordhöhe von 240 Verstorbenen (davon im März allein 53!). HubertusburgAm 19. Juli ließ der Preußenkönig die Stadt Dresden beschießen. Der Kanonade und dem hiervon verursachten Großbrand fielen etwa 500 Häuser und eine unbezifferte Anzahl von Einwohnern zum Opfer. Zehn Tage später traten die Preußen über Kesselsdorf den Rückzug nach Meißen an, der Kriegsrat nahm am 12. August seinen Sitz in Kesselsdorf, die Führung der Österreicher nahm in Wilsdruff Quartier. Ein Vierteljahr später hatten sich die Verhältnisse wieder gewendet - das Reichsheer war geschlagen, Friedrich richtete in Unkersdorf, keinen Katzensprung von Kesselsdorf entfernt, sein Hauptquartier ein.1761 beharkten sich die feindlichen Armeen fortlaufend in unserer Gegend, Kesselsdorf war wieder einmal von den Preußen besetzt. 1762 setzte sich der Krieg fort, Preußen und Österreicher lagen abwechselnd als Besatzer im Ort, am 17. Mai waren es Kroaten unter dem österreichischen General von Ried. Ende Mai lagen sich die Gegner kampfbereit unmittelbar gegenüber. Die Linie der Österreicher verlief vom Zschoner Grund über Pennrich, Kesselsdorf und Rabenau bis Dippoldiswalde, die der Preußen von Constappel über Wilsdruff und Grumbach bis Tharandt. Der Angriff der Österreicher in vier Kolonnen unter dem Kommando des Feldmarschalls Serbelloni erfolgte aber erst am 27. Juni. Serbelloni befand sich in der von General Wied befehligten dritten Kolonne, die mit 14 Bataillonen, vier Kavallerieregimentern und einem großen Artillerie-Train von Kesselsdorf aus gegen Hühndorf vorging. Die Preußen verteidigten sich aber erfolgreich, fügten dem Gegner den Verlust von 200 Toten und Verwundeten zu und nahmen vier Offiziere und 58 Mann gefangen. Die Österreicher zogen sich zurück und hielten auch noch im September Kesselsdorf besetzt. Am 28. September lieferten sich die Kriegsparteien wieder einige Scharmützel in unserer Gegend mit Hunderten von Toten und Verwundeten auf beiden Seiten, aber ohne bemerkenswerten Geländegewinn. Auf den strategischen Verlauf und das Ergebnis des Krieges hatten diese Gefechte keinerlei Einfluß. Letzten Endes entschieden auch nicht die großen Schlachten den Ausgang des Krieges, sondern die Politik: Der Preuße war schon 1761 trotz einiger glorreicher Siege mit seinem Latein fast am Ende, denn die gegnerische Allianz verstärkte sich militärisch zusehends und der Preußen-Verbündete England stieg aus dem Spiel aus. Da starb die russische Zarin Elisabeth (5. Januar 1762), und ihr Nachfolger Peter III., ein Verehrer Friedrichs, begann sofort mit separaten Friedensverhandlungen. Die Schweden zogen nach, und Ende des Jahres zeigten sich auch alle anderen Parteien so kriegsmüde und mittellos, dass mit dem Frieden von Hubertusburg am 16. Februar 1763 der endgültige Schlusspunkt unter einen wieder einmal sinnlosen Krieg gesetzt wurde. Nichts hatte sich geändert, Österreich erkannte insbesondere den Status quo bezüglich Schlesien an.In Kesselsdorf gingen nach dem Krieg die Uhren wieder langsamer: Erst am 2. Mai verkündete ein durchreitender Postillion den in Hubertusburg geschlossenen Frieden. Am 28. Dezember 1763 stellte im Zuge der Beseitigung der Kriegsschäden eine Kommission von "geschworenen Baugewerkten, Amts-Zimmern und Mäuern aus Dresden" eine "Specification deren Einwohner von Keßelsdorff was selbigen währenden Krieges an Wohn- und Wirtschafts-Gebäuden gäntzlich weggerissen und verbrannt worden" auf. Die Kommission taxierte den Verlust und schätzte die benötigte Höhe der Kosten für die Wiedererrichtung. In ihrer Liste erscheinen die Wohn- und Wirtschaftsgebäude von 16 Grundstücken, einschließlich Pfarrwohnung und Kirchhof. Die Gesamt-Schadenssumme belief sich auf 11.736 Taler, die Kosten für den Neubau wurden auf 14.554 Taler veranschlagt. Der Bericht endet mit der Bemerkung: "Diese vorstehenden Gebäude sind teils von den Königl. Preußischen, teils von den Kaiserlichen Truppen aus Mangel des Holzes niedergerissen und verbrannt worden, welches wir gerichtlich bei unseren Pflichten attestieren."

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Letzte Aktualisierung ( Montag, 14 September 2009 )
 
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