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Startseite arrow Die Geschichte arrow 2. Bier- und Dreißigjähriger Krieg
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Im Jahre 1547 fiel das Dorf zu einem Teil dem Procurator-Amt Dresden zu. Der andere Teil, vermutlich aller Kirchenbesitz, fiel an das Domkapitel Meißen. In einer Akte des Domkapitels von 1555 wird als Lehnsherr für Kesselsdorf Sindicus Johann Fritsch genannt. 1562 wurde die Kirche umgebaut, was praktisch einem Neubau gleichkam. An das alte Kirchengebäude erinnert heute nur noch die spätgotische innere Westpforte und die Holzstatue "Madonna auf der Mondsichel". 1577 nennt ein Visitationsbericht Johannes Walter als Schulmeister, dem "von pfarher und gemeine gutt zeugnis" bescheinigt wird. Doch im nächsten Jahr beklagt sich der Custos, "daß der alte vertriebene Schreiber unter Merten von Schilling sich unterstehe, in gerichten zu schreiben, welches sonst des Schreibers bester Dienst sei.

Der vertriebene Schreiber helfe also sein Einkommen verkleinern und führe den Pauern alle losen sachen. Der Schulmeister begert deswegen, das ihme solches verbotten werde." Demnach war der 1574 entlassene ehemalige Küster in die Dienste des Kleinopitzer Gutsherrn getreten und hintertrieb die Schreibertätigkeit Walters. Dass es zwischen Kirche und Schule nicht immer harmonisch zuging, offenbart ein Visitationsbericht von 1605: "...zwischen dem pfarrer und schulmeister ist ein solch ergerlich und schedlich gezenk, dergleichen ich nicht gehört, auch darob entsetzet." Der Pfarrer grämte sich: Der Custos halte "unfleißig Schule, halte den Catechismus nicht, singe ungebührliche Lieder, die dem Pfarrer nicht belieben, gehe dem Kegelspiel nach, schreibe Briefe für Stiche und Hiebe." Was blieb übrig, als den unbotmäßigen Lehrer zu ermahnen, "sich schiedlich und friedlich zu halten, den Pastoren zu ehren und etwas nachzugeben und zu erfragen, was er singen solle."

Der leidige Bierzins

Beim Bier hörte auch in Kesselsdorf die Gemütlichkeit auf. Zu allen Zeiten lieferte der Gerstensaft Anlaß zu Streit und Zank, auch im 17. Jahrhundert. 1611 reichte der Schenker Ambrosius Leuteritz Klage gegen die Gemeinde ein. Es ging um den Bierzins und den Bierverkauf. Das Amt Dresden legte daraufhin, wie eine Akte belegt, Richtpreise für den Bierausschank fest. 1617 klagte die Gemeinde ihrerseits gegen den derzeitigen Schenker, Martin Leuteritz (Sohn von Ambrosius) wegen erneuter Unstimmigkeiten beim Bierausschank. Der bat im Jahr darauf das Proc.-Amt Meißen, seine Brauzinsen neu festzulegen; die Gemeinde verlange zu viel. Er habe die Erbschenke mit Wald und Brauhaus "teils ererbt, zum theil mit großen Schuldenlasten an mich gebracht. Die mit einem Malz- und Brauhause verbundene Erbschenke zu Keßelßdorff liegt an der Freybergischen Landstraße, dadurch zu Tage und Nacht viell vornehme und andere reisende Personen hin und durch meinen Hof paßieren." Eine beigefügten "Spezification" listet die gebraute Menge Bier der letzten Jahre auf: 1612 = 12 ½ Faß; 1613 = 20 ½ Faß; 1614 = 19 ½ Faß; 1615 = 15 ½ Faß. 1627 eskalierte der Streit. Am 16. April klagte die Gemeinde erneut gegen Leuteritz wegen zu hoher Bierpreise. Darauf reichte Leuteritz wiederum eine "Spezification" ein, in deren elf Punkten er erläuterte: "...daß man von dem Bierbrauen nicht den geringsten Nutzen, sondern vielmehr Beschwerung, Mühe und Unkosten darbey trägt." Der Fall war inzwischen Chefsache geworden, denn am 29.August teilte der Kurfürst dem Schösser von Dresden mit, Leuteritz habe bei Strafe nicht mehr als vier Pfennige pro Kanne Bier zu verlangen.

 
Schweden und Konsorten

LandsknechtDer Dreißigjährige Krieg (1618 - 1648) ließ Kesselsdorf nicht unbehelligt. Jetzt zogen statt friedlicher Kaufleute rauhe Gesellen durch den Ort, mal Kaiserliche, mal Schweden, Wallensteinische oder Pappenheimer Söldner. Zu allem Ungemach gesellte sich noch eine katastrophale Mißernte im Jahre 1623 hinzu. In einem Schreiben an den Kurfürsten bat die Gemeinde darum, den bereits nachgelassenen Getreidezins abermals zu stunden. Man wolle es "...so lieb es Gott" innerhalb von sechs Jahren mit vergüten. Im September 1632 stand der kaiserliche Feldmarschall Leutnant Heinrich Holk, vom Vogtland und Erzgebirge kommend, vor den Toren Dresdens. Holk handelte auf Befehl Wallensteins und sollte den sächsischen Kurfürsten veranlassen, Schlesien freizugeben. Am 25. September kam er mit seinen Landsknechten, vorwiegend aus Kroaten bestehend, durch Kesselsdorf und ließ Wilsdruff rigoros plündern. Holks Männer waren im Land gefürchtet und dafür berüchtigt, auf ihren Streifzügen viele gebrandschatzte Orte zu hinterlassen.Nach dem Tode des Schwedenherrschers Gustav Adolf am 6. November 1632 in der Schlacht bei Lützen änderte sich die Stellung Sachsens. Der Kurfürst schloß am 30. Mai 1635 in Prag einen Friedensvertrag mit dem Kaiser, in dem er sich u.a. verpflichtete, die an die Schweden verlorenen Gebiete dem deutschen Reich zurückzuerobern. Deshalb erklärte er am 6. Oktober den Schweden den Krieg. Der kaiserliche Feldmarschall machte am 30. März 1637 Wilsdruff zu seinem Hauptquartier. Bis zum Herbst lagen 1.200 Mann in dem so oft heimgesuchten Ort und machten den Bewohnern das Leben schwer. Nach einigen von den Sachsen verlorenen Schlachten zogen die Schweden im ganzen Land ein und hausten acht Jahre lang schlimmer als einst die Hussiten. Um dem Feind zu entgehen, flüchteten die Landbewohner in Scharen in die Städte, sicherlich auch Leute aus Kesselsdorf. vom 7. bis 9. Mai 1637 trafen in Dresden etwa 1.200 Wagen mit Flüchtlingen ein. Am 25. Februar 1639 berichtete der Rat zu Tharandt dem Kurfürsten, dass "...Kirchen und Gotthäuser affgebrochen, wie zu Gersdorff und Keßelsdorff geschehen seyn soll." Im Ort, der zu dieser Zeit aus 34 Höfen und 22 ½ Hufen bestand, kommandierte ein Feldwachtmeister Seidewitz, dessen sechs kaiserliche Kompanien nach Herzenslust plündern durften, "...dabey sind bei den Hanauischen und Kalkreuthischen Regimentern Durchgängen 10 Höfe samt Scheunen und Ställen abgebrannt." Am 18. August 1642 wurde in der Kesselsdorfer Gegend ein schwedischer Rittmeister mit 21 Reitern, die Wilsdruff gebrandschatzt hatten, gefangengenommen. General Pfuhl drohte daraufhin, alles zwischen Dresden und Leipzig niederzubrennen, falls man die Gefangenen nicht freilasse.

Der schwedische General Lennart Graf von Torstensen, der einen Friedensschluß erzwingen wollte, schrieb am 10.Mai 1645 an seinen Heerführer Königsmarck, dass, falls der Kurfürst nicht einlenke, "...das Land untauglich gemacht werde und ... sonderlich auf beiden Seiten der Elbe nächst um Dresden alles auf etzliche Meil Weges abzubrennen und kahl zu machen sei, daß sich niemand mehr aufhalten können." Das Prinzip der verbrannten Erde besitzt eine lange Tradition! Nachdem die Schweden Meißen erobert hatten und vor Dresden standen, machte General Hans Christian Königsmarck von seinem Standquartier in Kesselsdorf aus am 8.August dem sächsischen Kurfürsten Friedensangebote. Er wies auf den Befehl Torstensens vom 10. Mai hin und betonte, dass er in der Lage sei, "solches in Werk zu setzen", wolle aber bei sächsischem Entgegenkommen dem Lande "solche scharfe Execution" ersparen. Im gleichen Jahr einigten sich beide Parteien auf den Neutralitätsvertrag von Kötzschenbroda (27. August 1645), ehe der Krieg 1648 nach 30 schrecklichen Jahren zu Ende ging. Aber noch im Januar 1648 machte ein schwedisches Kommando von 80 bis 90 marodierenden Reitern unter dem Rittmeister Melchior Innpar die Gegend um Wilsdruff und Kesselsdorf unsicher.



Letzte Aktualisierung ( Montag, 14 September 2009 )
 
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