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Die Hussitennot

Im Verlauf der militärischen Auseinandersetzungen Sachsens mit den in den Jahren 1427 bis 1433 immer wieder einfallenden böhmischen Hussiten soll Kesselsdorf völlig zerstört worden sein. Das ist nicht auszuschließen, wenngleich diese Annahme nicht dokumentiert werden kann. Die Wettiner hatten den Anhängern des 1415 vom Konzil zu Konstanz zum Feuertod verurteilten Magisters Jan Hus wenig Widerstand entgegenzusetzen. Die Städte konnten sich zwar wehren, aber das flache Land war den grimmigen Revolutionären schutzlos ausgesetzt, viele Dörfer gingen in Flammen auf. War Kesselsdorf darunter? Verbürgt ist lediglich, dass 13 Kesselsdorfer Männer in Bobritzsch bei Freiberg in ein meißnisches Heer eingezogen worden waren, mit dem Kurfürstin Katharina gegen die Hussiten vorgehen wollte. Die Absicht mißlang - in der Schlacht bei Aussig am 16. August 1426 holten sich die Sachsen nur blutige Köpfe. Viele Jahre später, 1450, drangsalierten wilde hussitische Söldner, die Zebráken ("Bettler"), nochmals das Land. Sie waren von Wilhelm III. dem Tapferen gerufen worden, der einen verheerenden Krieg gegen seinen Bruder, den Kurfürsten Friedrich II. den Sanftmütigen führte, und verwüsteten Gera. Auch andere Orte kamen durch die Hussiten zu Schaden, "...vornehmlich die Städte Wilsdropp (Wilsdruff), Nossen, Mitweida, Döbeln, Lomitsch (Lommatzsch) und die zwischen inne gelegenen Kloster-Zellischen Dörffer..." Dass Kesselsdorf unter den Brandschatzungen ebenfalls zu leiden hatte, ist nicht von der Hand zu weisen.

Nachdem seit 1505 auch Freiberg zur Residenz der Wettiner gehörte, wurden von nun an alle Leichenbegängnisse der kurfürstlichen Familie von Dresden über Kesselsdorf nach Freiberg in die Gruft des Domes geleitet. Der Kantor von Kesselsdorf mußte mit seiner Kurrende den Zug innerhalb des Ortes mit Gesang begleiten (das galt für alle Orte am Wege). Im Dorf verzweigte sich übrigens die Straße nach Freiberg. Der sog. "Leichenweg", auf dem die herrschaftlichen Toten zur letzten Ruhestatt gelangten, führte über Braunsdorf, Grillenburg und Naundorf, während der "Fürstenweg" wie die heutige B 173 Herzogswalde und Mohorn berührte.

Fritzsches Rechnungsbüchlein 

Am 16. August 1513 fand in der Kesselsdorfer Kirche die Weihe des Altars in der linken Ecke des Hochaltars statt. Der letzte katholische Pfarrer von Kesselsdorf, Gregorius Fritzsche, der von 1513 bis 1542 im Amt war, berichtete darüber: "...durch den hochehrwürdigen Bischof Bartholomäus von Celle, den Weihbischof unseres gnädigen Herrn Johann v. Saalhausen, unseres gegenwärtigen verdienten Diözesanbischofs, und zwar wurde der Altar geweiht zu Ehren der Passion des Herrn, der Heiligen Anna, des Bischofs Martin, des Papstes Gregor, Josephs, des Pflegevater Jesu, des Bischofs Basilius... und in honorem dei et sancta Catharina virginis. Der Heiligen viele aber sind überaus fein geschnitzet auf den Altar gesetzet. Und auf dreien Wagen waren die neuen Glocken herangefahren, die GROSSE ANNA, die von Pesterwitz und die von Somsdorf, so daß sie ganz mit Blumen verdecket. Derselbe Geistliche hat allen wahrhaft Reumütigen und Bekennenden vierzig Tage Ablaß zugesprochen, die andächtig ein Vaterunser und ein Ave Maria kniend vor diesem Altar beten, der für jeden Tag dervorbenanten Schutzherren zu ewigen Zeiten gelten soll. Das ganze Dorf war eine große Jubelwiese. Und waren die Wege und Häuserlein mit Tännicht gezieret und mit Blumen drin. Die Paukenschläger und Zinkenisten sind dagewest und haben viel Stücklein gespielt, ist auch auf dem Kirchplan an dem Teich getanzt worden. Und stand hier auch eine ganze Rasselbude, da konnte kaufen, wer wollte. So hatten alle ihre Freud, ich, der Pfarrer die meine, die Bauern die ihre."

Diese Zeilen finden sich in einem bemerkenswerten Buch, das Fritzsche in seinem ersten Amtsjahr anlegte. Einleitend heißt es darin: "Ich, Gregorius Fritzsche, gebürtig von Rothschönberg bei Celle, dem Kloster unserer Gegend, bei der Universität von Leipzig Baccaleaurus der Freien Künste, gegenwärtig in Kesselsdorf Hirt der Herde des Herrn und Pfarrherr... habe vor, heute, am 13.Dezember des 1513ten Jahres... folgendes Rechnungsbuch anzulegen, um darin aufzuzeichnen, was ich an anderen Stellen zerstreut und ungeordnet in den Büchern der Kirche aufgefunden habe... Die Wahrheit will ich niederschreiben, nicht zum Schaden des Volkes; ich will nicht das geheim halten, was ich erkundet habe, wie zum Besten der Kirche und der Pfarrei... Diese Pfarrstelle und Parochie genießt nur wenig Schätzung. Denn immer pflegen die Priester mit dieser Pfarrstelle zu wechseln. So sagte mir einer der Edelleute glaubwürdig, ich sei der 14. Pfarrer, den er mit Namen und auch persönlich gekannt habe."
1528 beschwerten sich die Räte zu Meißen und Dresden über die Gastwirte von Zitzschewig, Serkowitz und Kesselsdorf wegen widerrechtlichen Bierbrauens. Das Domkapitel zu Meißen unterstützte zwar die Dörfer, bestimmte aber in diesem Falle, dass die Orte ihr Bier aus Dresden oder Freiberg holen sollten. Der Bierzwang ist also noch nicht aufgehoben. Um Bierausschank, -zins und -preise entbrannte in der Folgezeit immer wieder heftiger Streit, der oft nur gerichtlich entschieden werden konnte. Die Chronik von Kesselsdorf liefert dafür viele Beispiele.
Nachdem Kurfürst Heinrich der Fromme 1539 an die Macht gelangt war, ordnete er eine Überprüfung der Schulen und Kirchen an. Daraufhin erschienen im Frühjahr 1540 vier beauftragte Visitatoren in Kesselsdorf, denen Pfarrer Fritzsche, der Küster, der Richter und andere Einwohner Reden und Antwort über die Verhältnisse im Dorf stehen mußten. Unter dem nur zwei Jahre regierenden Kurfürsten, einem strikten Anhänger Luthers, begann sich die Reformation auch im albertinischen Sachsen gegen den erbitterten Widerstand der zumeist noch katholischen Stände durchzusetzen. In Kesselsdorf faßte sie erst 1542 Fuß. Am 25.Januar verließ Pfarrer Gregorius Fritzsche "propter reformationem Lutheranam (um der Reform Luthers wegen) gäntzlich resignieret" den Ort. Ihm folgte als erster evangelischer Pfarrer Christoph Heber aus Freiberg.

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Letzte Aktualisierung ( Montag, 14 September 2009 )
 
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