Vereinslogo  
Heimatkreis Kesselsdorf
im Landesverein Sächsischer Heimatschutz e.V.
Landesverein Logo
 
Hauptmenü
Startseite
Der Verein
Die Leute
Veranstaltungen
Kontakt
Impressum
Geschichte
Heimatstube
Das älteste Haus
Die Geschichte
Die Schlacht
Bährs Kirche
Christian Klengel
Allgemeines
Rundum
Ortsplan
Umgebung
Links
Werbung
i-net4fun.de - Webdesign zum kleinen Preis
 
Startseite arrow Die Leute arrow Paul Daniel Longolius
Paul Daniel Longolius
ImageAm 1. November 1704 wurde im Kesselsdorfer Pfarrhaus Paul Daniel Longolius geboren. Der Vater Johann Daniel (1671 - 1734) stand als Substitut seinem Vater Renatus Daniel, der seit 1681 die Pfarrstelle innehatte, zur Seite. Die Mutter des Neugeborenen, Johanna Magdalena, entstammte der Familie des Apothekers Paul Kölbel aus Dresden (siehe unten abgebideten Auszug aus dem Geburtsregister der St.-Katharinenkirche zu Kesselsdorf).

Longolius

Schon frühzeitig prägten die Eltern dem Jungen die Religion ein, die sein Leben lang Leitlinie für sein Tun und Handeln wurde. Da ihm das Lernen recht leicht fiel, erweiterten sich seine Kenntnisse rasch, auch machte ihn der Vater mit der Natur bekannt, er weckte in ihm bald die Freude für Beschäftigungen im Garten - die ihn bis ins hohe Alter nicht verließ -, förderte damit naturwissenschaftliche Interessen und animierte zu botanischen Versuchent.
Mit sieben Jahren kam der Knabe zum befreundeten Amtsbruder des Vaters nach Pesterwitz, um mit dessen gleichaltrigem Sohn erzogen zu werden, „daß er sich beizeiten an fremde Leute gewöhnen und mit ihnen umzugehen lernen möchte.“ Diese körperlich und geistig streng gehaltene und mit Lern- und Unterrichtsstunden von morgens 5 bis abends 9 Uhr angefüllte, nur durch wenige Pausen unterbrochene Lehrzeit dauerte immerhin 1 ½ Jahre.
Mit 15 Jahren wurde Paul Daniel Longolius in die zweite Klasse der Kreuzschule Dresden aufgenommen, deren Rektor, Jonas Gelenius, schon der Lehrer seines Vaters gewesen war. In den fünf Jahren seiner Zugehörigkeit erfreute sich Longolius allgemeiner Beliebtheit bei Mitschülern und Lehrern . Er war in seinem Wesen verständig, fleißig und pflegte einen freundschaftlichen Umgang mit den Kommilitonen. Schon zu dieser Zeit stand für Paul Daniel der Entschluß fest, das Berufsziel eines „Schulmannes“ anzustreben.
Ostern 1724 ließ er sich an der Leipziger Universität immatrikulieren. Vier Jahre studierte er dort, um für seinen Lebensberuf gerüstet zu sein, länger konnte ihm der Vater keine finanzielle Unterstützung gewähren.
Bald verband ihn eine enge wissenschaftliche Zusammenarbeit mit dem Juristen Gottlieb Kortte, einem der Professoren an der Universität, der den strebsamen jungen Mann zu selbständigem Arbeiten anhielt, besonders im Umgang mit alten Manuskripten. Er wollte Longolius, den er als einen hervorragend begabten und kenntnisreichen Menschen schätzte, für die Universität gewinnen und schlug ihm schon im Jahre 1728 die Bewerbung um die Magisterwürde vor. Um seine dadurch noch mehr finanziell belastete Familie zu schonen, lehnte dieser jedoch immer wieder ab.
Schließlich half ihm das Honorar für die Mitarbeit an der Augsburger Chronik von Achilles Pirminius über die pekuniären Schwierigkeiten hinweg, so daß er am 26. März 1729 zum Magister Artium oder Philosophiae promovieren konnte. Für seine Disputation wählte er das später noch oft behandelte Thema „Vom Menschenopfer“, habilitierte sich damit zum akademischen Lehrer und hielt in dieser Eigenschaft von da ab ausgezeichnete und bald zahlreich besuchte Kollegien in Philosophie und Geschichte. Wichtiger erscheint uns heute für diese Leipziger Jahre seine Leistung als Hauptredakteur (seit 1733) der Bände 3 bis 18 des "Zedler". So nannte man nach dem Verleger Johann Heinrich Zedler das Grosse vollständige UNIVERSAL-LEXICON Aller Wissenschafften und Künste, Welche bishero durch menschlichen Verstand und Witz erfunden und verbessert worden. Der "Zedler" ist das umfangreichste (zum Abschluß gekommene) lexikalische Werk des Abendlandes. Das zwischen 1731 und 1754 entstandene monumentale Werk enthält in 68 Foliobänden auf 62.571 Seiten rund 750.000 Artikel! 1735 starb der Rektor des Gymnasium Albertina in Hof, und Paul Daniel Longolius wurde aus sechs Bewerbern vom Hofer Magistrat mit zehn gegen sieben Stimmen zum Nachfolger gewählt. Obwohl er sofort seine Berufung vom Magistrat zu Hof und der markgräflichen Regierung von Bayreuth erhielt, mußte noch eine Zeit vergehen, bis er die Stelle antreten konnte. In Leipzig hatte er seine Kollegien abzuschließen und wurde er noch zum Assessor der dortigen Fakultät ernannt. Eine weitere Entscheidung für sein Leben traf er ebenfalls noch. Am 16. Mai 1735 heiratete er in Leipzig Erdmuthe Dorothea Baumgarten, die Tochter des Stiftsadministrators und Geheimen Kammersekretärs Christian Baumgarten aus Merseburg.
Nachdem das junge Paar, dem der Rat zu Hof freundlichst ein Hochzeitsgeschenk von 20 rheinischen Gulden bewilligt hatte, am 15. Juni in seinem zukünftigen Wohnort eingetroffen war, fand am 19. Oktober die feierliche Amtseinweisung statt.
Paul Daniel Longolius verwaltete sein neues Amt äußerst gewissenhaft und unterrichtete seine Zöglinge nach bestem Vermögen. Seine Privatbibliothek stand jedem offen. Er verlieh bereitwillig Bücher an Lehrer, Schüler, Künstler, Kaufleute, Handwerker und selbst Auswärtige. Wie Longolius seinen eigenen Bücherfundus bei den niedrigen finanziellen Einnahmen im Laufe der Zeit auf die stattliche Anzahl von etwa 4000 Bänden gebracht hat, ist nicht nachvollziehbar.Das Rektorenamt füllte ihn jedoch nicht aus, er befaßte sich vehement mit der Bayreuther Landesgeschichte und den historischen Hilfswissenschaften. Bedeutende Hilfe hierfür erhielt er durch den ab 1741 gewährten Zutritt zum hochfürstlichen Archiv auf der Plassenburg in Kulmbach und dessen unbeschränkte Benutzung. Ab 1761 durfte er dann auch das Archiv am kurfürstlichen Hofe zu Ansbach benutzen, die Adelsarchive der umliegenden Rittergüter waren ihm ebenfalls zugänglich. Bis zu seinem Lebensende arbeitete Longolius nun mit unermüdlichem Fleiß und außergewöhnlicher Arbeitskraft an der Geschichte der Landesfürsten und verfaßte eine Fülle größerer und kleinerer Schriften, deren Form er meist mit „Programm“ betitelte, über die verschiedensten Themen. Neben den „Schulprogrammen“ über sein Hofer Gymnasium, die Geschichte der Kirchen und Höfischen Brände, interessierte er sich für das Hofer Buchdruckerwesen, das Münzwesen und nicht zuletzt die Naturwissenschaften.

Nach dem frühen Tode seiner ersten Frau ging Longolius 1737 eine zweite Ehe mit Elisabeth Susanne Herold, der Tochter eines Hofer Archidiakonus, ein.

 

Longolius

 

Von den drei geborenen Kindern überlebte ihn jedoch nur eine Tochter, d. h. der Gelehrte blieb ohne männlichen Erben. Mit ihm endete die Kesselsdorfer Linie der Familie Longolius.
Da sich gesundheitliche Beschwerden mehrten, erfolgte im Jahre 1778 auf eigenen Wunsch seine Emeritierung. Ein halbes Jahr später, am 24. Februar 1779, starb Paul Daniel Longolius im Alter von 74 Jahren, wovon er 43 Jahre lang das Amt des Rektors am Hofer Gymnasium innehatte.
Seine Leistungen für die Wissenschaft wurden durch Mitgliedschaften in mehreren wissenschaftlichen Gesellschaften gewürdigt:
1749 Ehrenmitglied der lateinischen Gesellschaft zu Jena,
1759 Rat und Ehrenmitglied der „Kaiserlichen Franciscischen Academie der freyen Künste“ zu Augsburg,
1762 Mitglied der Deutschen Gesellschaft zu Altdorf,
1764 Mitglied der Kurbayerischen Akademie der Wissenschaften in München.

Die hervorragendste Bedeutung dieses Mannes liegt vor allem in seiner wissenschaftlichen Tätigkeit außerhalb der Schule. Er war in erster Linie Philologe und Historiker, hat sich aber auch auf anderen Wissensgebieten schriftstellerisch in fruchtbarer Weise betätigt. Es ist erstaunlich, mit welcher Fülle von größeren und kleineren Schriften Longolius an die Öffentlichkeit trat. Seit er in Hof wirkte, widmete er sich mit großer Gründlichkeit historischen Studien, besonders der Geschichte von Brandenburg-Kulmbach-Bayreuth und der Lokalgeschichte von Hof.
Als Resümee eines immensen Arbeitspensums erschienen von seinen verschieden großen Schriften 147 in Quartform und 50 in Folio. Davon sind 43 dem Thema „Hof als Hermundurenland“ gewidmet, 90 behandeln die Profan-, Kirchen- Gelehrten-, Münz- und Adelsgeschichte der Stadt Hof und Umgebung, darunter 26 das Gymnasium, 33 das Thema „Von den Menschenopfern“ betreffend. Die Programme sind teils lateinisch, viele aber auch deutsch geschrieben; manche poetisch nach Form und Inhalt.
Eine ebenso beachtliche Leistung stellt seine umfangreiche Mineraliensammlung dar, welche sich noch heute in einem prachtvollen Barock-Mineralienschrank mit zahlreichen Schubfächern im Jean-Paul-Gymnasium Hof befindet.
Über die meteorologischen Verhältnisse der Hofer Gegend hat Longolius genaue Beobachtungen und Aufzeichnungen gemacht. In zwei dicken Foliobänden zeichnete er seine Wetterbeobachtungen vom 31. Dezember 1757 bis zum 31. Juli 1778 auf; Wind und Wetter, Regen und Schneefall wurden genau registriert. Zu seinen Beobachtungen benützte er ein Thermometer und vier Barometer, deren Stand er stündlich von früh 6 Uhr bis abends 10 Uhr aufschrieb!
Egbert Steuer

Nach Oben  

Letzte Aktualisierung ( Dienstag, 21 August 2018 )
 
| Sitemap | Kontakt |